{"id":259,"date":"2025-07-03T09:22:31","date_gmt":"2025-07-03T09:22:31","guid":{"rendered":"http:\/\/localhost:7000\/?page_id=20"},"modified":"2025-12-02T15:35:34","modified_gmt":"2025-12-02T15:35:34","slug":"buch-von-david-krasser","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/customer-rfg.com\/grosspold\/ortsinfos\/buch-von-david-krasser\/","title":{"rendered":"Buch von David Krasser"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Geschichte des s\u00e4chsischen Dorfes Gro\u00dfpold in Siebenb\u00fcrgen<br><br><\/strong>von David Krasser<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Emigranten-Einwanderung 1730&#8211;1770<br><br><\/strong>Wenden wir uns von diesem schwarzen Schattenpunkte nunmehr zu einem hellen, zum hellsten Lichtpunkte des neuerbl\u00fchenden Gemeinde-Lebens. Es ist dies die sogenannte &#8220;Emigranten= Einwanderung&#8221;, die unverkennbare Hauptquelle der neuerwachsenden Kraft und Bl\u00fcte an Zahl und Wohlstand der Bewohner. Kein unbefangener Beobachter unseres heutigen Gemeindebildes kann diese verkennen. Nicht nur die neuerstandenen Gassen oder Gassenteile, sondern fast jedes zweite oder dritte Haus spricht daf\u00fcr als handgreiflicher Zeuge. M\u00f6glich, das blinde Thorheit und kurzsichtiger Neid dem ersten Erscheinen der Ansiedler einst scheel entgegenblickte, die gegenw\u00e4rtige, auf 130 Jahre gest\u00fctzte Erfahrung von dem Werte der Einwanderung f\u00fcr das Ganze macht jeden Gegner verstummen. Ja Niemand w\u00fcrde wohl heute, da sich auch die anf\u00e4ngliche Fremdheit und Geschiedenheit der beiden Elemente des alten und neuern Einwohnerstammes bereits in vielen St\u00fccken ausgeglichen hat und in nicht allzuweiter Ferne allm\u00e4lig ganz ausgleichen wird, um den vermeintlichen Mehrbesitz an Boden f\u00fcr eine kleinere Anzahl der Urfamilien, die offenbaren Vorteile, die auch diesen durch die Neubelebung des Ortes erwachsen sind, hingeben!<br>Die \u00f6sterreichische Emigration, als deren letzte, verschwimmende Wellenschl\u00e4ge die geringen Einwanderungsz\u00fcge nach Neppendorf, Gro\u00dfau und schlie\u00dflich nach Gro\u00dfpold sich Siebenb\u00fcrgen zukehrten, war \u00fcberhaupt eine Erscheinung des vorigen Jahrhunderts, die einer gr\u00f6\u00dfern Aufmerksamkeit w\u00fcrdig ist. Sie umfa\u00dft n\u00e4mlich die Summe von 4 bis 5000 Familien, oder \u00fcber 23000 Personen, die zwischen den Jahren 1730-70 um des evangelischen Glaubens willen Haus und Hof in den \u00f6sterreichischen Erblanden verlie\u00dfen, um sich zum gr\u00f6\u00dften Theile im \u00f6stlichen Preu\u00dfen eine neue Heimat zu gr\u00fcnden. Als sich n\u00e4mlich der Protestantismus des 16. Jahrhunderts in seiner m\u00e4chtigen Geistesstr\u00f6mung trotz aller ihm vorgeschobenen Schranken und Riegel auch \u00fcber diese Lande ergossen hatte; war es den Anh\u00e4ngern desselben im sogenannten Salzkammergute im Jahre 1571 gelungen, sich dem Kaiser Maximilian dem Zweiten eine Schutzschrift zu erwirken. Allein die Kraft seines Schutzbriefes starb mit demselben Regenten. Gesch\u00fcrt durch den nimmerruhenden Eifer der Jesuiten und ihrer bereitwilligen Helfershelfer begannen nur zu bald wieder die alten Bedr\u00fcckungen und Verfolgungen des protestantischen Glaubens. Der Ausbruch des drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges im Jahre 1618 gab endlich den v\u00f6lligen Ausschlag. Schon sechs Jahre nach seinem Beginn gab Kaiser Ferdinand den Befehl, da\u00df alle protestantischen Lehrer und Prediger aus seinen Erblanden binnen acht Tagen zu entlassen seien. Zwei Jahre sp\u00e4ter wurden sie g\u00e4nzlich vertrieben und katholische an deren Stelle eingesetzt, und so erz\u00e4hlt Neidinger in seiner 1653 zu Leipzig gehaltenen Predigt, es sei ein fr\u00fcher evangelisch gewesener, darauf aber katholisch gewordener Edelmann zu Neuhaus gleich einem Rasenden mit der Peitsche von Haus zu Hause gelaufen und habe seine Unterthanen auf diese Weise zum Schlosse getrieben, um sie katholisch zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Lenkung des Auswanderungsstromes nach Siebenb\u00fcrgen.<br><br><\/strong>Das ist in seinen Haupterscheinungen dargestellt der Umfang und Zug des salzburgischen Auswandrungsstromes,dessen letzte Wellenschl\u00e4ge geringen Inhaltes ihre Richtung nach Siebenb\u00fcrgen hereinschlugen. Aber warum, fragst du, mu\u00dfte sein Bild unsrer dessen Abschlu\u00df bildenden Gro\u00dfpolder Einwanderungsgeschichte vorangeschickt werden? Es liegt eben darin der Schl\u00fcssel zu ihrer Erkl\u00e4rung. Es liegt darin aber auch zugleich der traurige Beweis daf\u00fcr, wie lange Zeit und welcher handgreiflicher Gr\u00fcnde es bedurfte, um den \u00f6streichischen Staatsm\u00e4nnern die Augen zu \u00f6ffnen, ihren durch ein unduldsames, fanatisches Priesterregiment gen\u00e4hrten Ketzer-Abscheu zu besiegen und den Abflu\u00df so wertvoller Arbeits- und Steuerkraft in ein fremdes Land der Ostmarke des eignen Reiches zuzuwenden, wo die damalige Ver\u00f6dung des treuen Sachsenlandes, der bew\u00e4hrten St\u00fctze des Thrones, jener vom preu\u00dfischen Lithauen gewi\u00df sehr \u00e4hnlich war. Drei Jahre lang mu\u00dfte man erst zusehn, an 4 bis 5000 Familien verlieren, bis endlich eine sogenannte Reformations-Comission aufgestellt ward, welche am 29. Mai 1734 vier und vierzig auswandrungslustige Hausv\u00e4ter zu sich beschied, um ihnen anzuk\u00fcndigen, sie sollten sich bis zum 6. oder 7. Juni fertig machen bei Linz zu Schiffe zu gehn und nach Siebenb\u00fcrgen zu fahren, allwo sie den Rest empfangen w\u00fcrden. Dreizehn M\u00e4nner traten darauf hervor, um offenm\u00fcthig zu erkl\u00e4ren; wenn man sie blo\u00df deshalb nach Siebenb\u00fcrgen f\u00fchren wolle, damit sie dort den Rest empfingen, so k\u00f6nne man ihnen denselben auch sogleich geben, da sie bereit w\u00e4ren ihr Leben um des Evageliums willen einzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Erste Ansiedlung in Neppendorf 1734.<br><br><\/strong>Aber die gegebne Verhei\u00dfung wurde nicht erf\u00fcllt. Eine neue Verz\u00f6gerung wurde eingeleitet, bis ihnen auf ein Gesuch der Reichsst\u00e4nde vom 19.Juni den 4. Juli der 9. desselben Monats als Tag der Abfahrt angek\u00fcndigt wurde. Diese Bestimmung wurde nun auch eingehalten. Bei Klosterneuburg wurden die Eingeschifften durch den Regierungskommiss\u00e4r von Zelto und durch den s\u00e4chsischen Hof-Deputierten Johann Kinder von Friedenberg in Empfang genommen. Der Letztere erkl\u00e4rte ihnen hierauf, wie die s\u00e4chsische Nation nach Siebenb\u00fcrgen gekommen sei, und sich fast ausnahmslos zur Augsburgischen Confession bekenne. Ihnen seien die ges\u00fcndesten Orte in der N\u00e4he von Hermanstadt gelegen&#8211;n\u00e4hmlich Neppendorf und Gro\u00dfau aselbst zugedacht worden. Er wolle sie bis Ofen begleiten und dann vorauseilen, um ihren Empfang in der neuen Heimat vorzubereiten. Der kaiserliche Commiss\u00e4r habe ihnen auch die Diurnen (Taggelder) etwas verbessert.Daf\u00fcr dankten die armen Leute dem Kaiser mit aufgehobenen H\u00e4nden und zogen alsdann fr\u00f6hlichen Muthes vorw\u00e4rts. Bei ihrer Anreise von Klosterneuburg fanden sich 47 Familien, die aus 82 M\u00e4nnern und Frauen, 4 Witwen, 80 S\u00f6hnen, 89 T\u00f6chtern und 2 Knechten, zusammen aus 263 K\u00f6pfen bestanden.<br>Am 20. August 1734 trafen sie in Gro\u00dfau ein, wurden jedoch von hier-wie es das Hermannst\u00e4dter Magistrats-Protokoll vom 21. August beweist&#8211;zun\u00e4chst bis nach Heltau bef\u00f6rdert und dort einstweilen einquartiert. Der kaiserliche Commiss\u00e4r bezeugte als Begleiter ihrer sieben Wochen dauernden Reise auch nicht ein einzig b\u00f6ses Wort aus ihrem Munde vernommen zu haben. Die erste That nach ihrer Ankunft in Siebenb\u00fcrgen sei ihre Danksagung gegen den Kaiser gewesen. Nach achtt\u00e4giger Verpflegung mit Fleisch und Brot und Austheilung je eines K\u00fcbels Frucht an jede Familie wurden sie dem zum Baue ihrer Wohnungen in Neppendorf bestimmten Herrn Stadthauptmann Hamlescher zur Hilfeleistung verordnet. Wie wohl ihnen dabei gewesen, und wie zufrieden sie sich f\u00fchlten, m\u00f6ge uns der Brief selber sagen, welchen Paul Kaiser am 29. August 1734 seinem Sohne Johann Kaiser mit folgendem Inhalte zuschickte:&#8221;Unsre Reise ist zu Wasser und zu Lande gl\u00fccklich fortgegangen und wie wir in Siebenb\u00fcrgen an denen evangelischen Orten angekommen sind, haben uns sowohl weltliche als geistliche Herrn mit Freuden empfangen und uns gn\u00e4dig begabet mit Geld,Fleisch, Wein und Bier und anderem mehr und wie wir unsre Reise vollendet und in Heltau einquartiert sind, so haben sie uns nicht allein mit leiblicher Nothdurft reichlich begabet, sondern haben auch einer jeden Familie ein Johann Arnd\u00b4 Paradiesg\u00e4rtlein und einer jeden Person Luthers Katechismum und andre sch\u00f6ne B\u00fccher verehret. Wir haben auch Gott sei ewig Lob und Dank gute, eifrige evangelische Regenten und Obrigkeiten, die uns sowohl in geist- als leiblichen Sachen Schutz tragen und einen Jedweden nach Stand und Verm\u00f6gen zum weiteren Fortkommen helfen. Wir haben auch Gott sei Lob und Dank gute evangelische Prediger, die uns das reine Wort Gottes klar vortragen.&#8221;<br>In \u00e4hnlicher Weise beginnt auch Mathias Fischer einen Brief an seine Br\u00fcder Hans und Josef den 9. September desselben Jahres folgenderma\u00dfen: &#8220;Lieben Br\u00fcder ich schreibe Euch aus br\u00fcderlicher Liebe und mache Euch zu wissen, da\u00df ich bis noch dato frisch und gesund bin und mein St\u00fcckel Brod hier in Siebenb\u00fcrgen reichlich zu gewinnen habe, und wollte, Gott schickte es, da\u00df es in meinem lieben Vaterlande auch also st\u00fcnde, wie hier in Siebenb\u00fcrgen!&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zweiter Transport nach Neppendorf und Gro\u00dfau 1735.<br><br><\/strong>Dieser ersten in Neppendorf angesiedelten Schaar folgten am 9. Oktober und 29. November 1735 eine zweite und dritte aus Ober\u00f6sterreich nach und wurden zum Theil ebenfalls in Neppendorf, zum Theil aber in Gro\u00dfau angesiedelt. Das dar\u00fcber angefertigte Zeugni\u00df weist nach, das 10 M\u00e4nner, 7 Frauen, 11 S\u00f6hne und 10 T\u00f6chter, also zusammen 38 Personen nach Neppendorf, 12 M\u00e4nner,11 Frauen, 17 S\u00f6hne und 21 T\u00f6chter, zusammen 61 Seelen nach Gro\u00dfau gekommen seien. Es wurden mithin in diesen zwei Jahren 4&#8211;500 Emigranten nach Siebenb\u00fcrgen gelenkt, nachdem in den fr\u00fchern drei Jahren bereits \u00fcber 20000 nach Preu\u00dfen und Holland und sonsthin gegangen waren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Emigranten-Ansiedlung in Gro\u00dfpold 1752.<br><br><\/strong>Unter dem Schutze und mit Beihilfe der Regierung kamen nun, wie Professor Schmidt mit Berufung auf das Hermannst\u00e4dter Magistrats-Protokoll darstellt:<br>im Mai 1752 von Obersteiermark nach M\u00fchlbach 15 Pers.<br>im August 1752 von Obersteiermark nach Gro\u00dfpold 168 Pers<br>im Oktober 1752 von Oesterreich nach Kleinpold 60 Pers.<br>im August 1753 von Steiermark und K\u00e4rnten nach Petersdorf 200 Pers<br>im September 1753 von Steiermark und K\u00e4rnten nach Deutschpien 75 Pers<br>im April 1754 von Steiermark und K\u00e4rnten nach Broos 200 Pers<br>im September 1754 von Steiermark und K\u00e4rnten nach Romos 600 Pers<br>das ist 2218 Pers<br>denen von 1756 bis 1762 noch 1441 Pers<br>gefolgt sind.<br>Die Gro\u00dfpolder Ansiedler geh\u00f6rten demnach zu den ersten dieser neuen Auswandrungshaufen. Eine besondre Aufzeichnung der zugewanderten Familien findet sich in dem hiesigen Kirchenarchive leider nicht.Ebenso wenig gibt es hier eine Auskunft \u00fcber Zahl und Kosten der f\u00fcr die Transmigranten erbauten H\u00e4user. Eine dem alten Thurmknopfe entnommene aus dem Jahre 1805 herr\u00fchrende Schrift des damaligen Geschwornen Georg Roth besagt aber, da\u00df zu der Zeit 114 s\u00e4chsische und 73 deutsche H\u00e4user vorhanden waren, wovon jedoch manche auch zwei Wirthen beherbergt h\u00e4tten.<br>Ziehn wir indessen die sicherlich unzweifelhafte Quelle \u00fcber die Zeit und wenigstens wahrscheinliche Gr\u00f6\u00dfe der Einwanderung und Ansiedlung in die Gemeinde Gro\u00dfpold, n\u00e4mlich ihr damaliges Todten-, Tauf- und Trauungsbuch zu Rathe, so finden wir obige Nachricht des Hermannst\u00e4dter Magistrats-Protokolles allerdings best\u00e4ttigt, inwiefern die daselbst angef\u00fchrte Zahl und die Ansetzung der Gro\u00dfpolder unter die Vordersten des Transmigrantenhaufens mit den in dem Kirchenbuch vorfindigen Daten sich in Einklang bringen l\u00e4\u00dft. In Betreff des Zeitpunktes der Ansiedlung mu\u00df jedoch angenommen werden, da\u00df dieselbe blo\u00df zu Ende des Jahres 1752 Statt gefunden habe, da sich bis zum 5. Januar 1753 kein Todesfall, bis zum 31. M\u00e4rz 1753 keine Taufe, und bis zum 25. Mai 1755 keine Trauung eines Transmigranten aufgezeichnet findet. Der ersten Leiche folgten aber in demselben Jahre noch 9, im folgenden Jahre 1754 schon 16, und im Jahre 1755 sogar 26 Transmigranten-Leichen. Aus derselben Quelle geht gleichzeitig hervor, da\u00df die Ansiedler aus ganz verschiedenen L\u00e4ndern und Gegenden durcheinander gew\u00fcrfelt waren. Auch m\u00f6gen Manche ihren ersten Ansiedlersort wieder verlassen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das alte Gro\u00dfpold vor der Emigranten-Einwanderung.<br><br><\/strong>Betrachten wir nun die Umwandlung der Dinge in Folge der eben beschriebenen Ansiedlung. Das Dorf Gro\u00dfpold hat vor derselben wenig \u00fcber 100 Wirthen. Seine Grenze erstreckt sich nordwestlich nur bis unterhalb des Pfarrhauses, wo wir gegenw\u00e4rtig das neue Gemeindehaus vor Augen haben. Hinter dem Pfarrersgarten befindet sich noch keine Gasse und auch die Mittelgasse erreicht ihr damaliges Ende bereits da, wo jetzt die Neugasse darein m\u00fcndet. Gegen Morgen und Mittag hin bleibt dessen Ausdehnung ebenfalls weit zur\u00fcck hinter den heutigen Grenzen des Dorfes. Um die Wohnh\u00e4user und die daran sto\u00dfenden Hausg\u00e4rten erstreckt sich rund um die Gemeinde gleich einem G\u00fcrtel ein w\u00fcster Weideplatz, dessen Bestimmung es zu sein scheint, einerseits den Unrath und die Ueberreste zu Grunde gegangner Hausthiere zu beherbergen, andrerseits einen Schutzwall f\u00fcr die daransto\u00dfenden Felder gegen das ausrei\u00dfende Vieh zu bilden. Auch die Aecker selber gew\u00e4hrten allj\u00e4hrlich blos auf der einen Seite den erfreulichen Anblick des Segens, den flei\u00dfige Menschehand der Erde abzugewinnen vermag, denn die andre H\u00e4lfte des ganzen Gemeindefeldes liegt brach und wird vom Viehe beweidet. Es fehlt an den H\u00e4nden und sonstigen Mitteln die Menge des Grundes auszun\u00fctzen. Von einer Ausdehnung der Spekulationslust in die benachbarten Gebirge, wie wir sie im vorigen Jahrhundert kennen lernten, ist keine Spur mehr vorhanden. Ueberall, wo der Boden seiner Natur nach mit Dorn, Stein und Moor dem Menschenflei\u00df hindernd entgegentritt, behalten die Hindernisse die Oberhand und es durchziehn bald Dornhecken, bald Steinadern, bald sumpfige Moorgr\u00fcnde die \u00fcppigen Saatfelder ihren Anblick gleichwie schmutzige Flecken den Anblick eines reinen Kleides entstellend. Und wie erscheint uns das Bild der Gemeinde inmitten des eben geschilderten Natur-Rahmens ?<br>Auf ihrer s\u00fcdwestlichen Anh\u00f6he steht ein Thurm von etwa 16 Klafter H\u00f6he in romantischem Baustyl aufgebaut und oben versehn mit einer vorspringenden Galerie von Holz, an welche sich das niedrige Thurmdach anschlie\u00dft. An diesen Thurm st\u00f6\u00dft das \u00f6stlich liegende kleine Kirchlein mit seinen zwei Eingangshallen und einem nothd\u00fcrftigen Schindeldach. Um Thurm und Kirche zieht eine feste Ringmauer, an deren S\u00fcdostseite ein m\u00e4chtiger Bastei- und Vorrathsthurm emporsteigt, w\u00e4hrend gegen\u00fcber dem Kirchthurme noch ein kleines Thorth\u00fcrmchen steht. Es sind dies die alten Bollwerke der Gemeindevertheidigung in vergangnen Zeiten und noch immer machen sie den gr\u00f6\u00dften und besten E<br>ndruck auf den Beschauer des Ganzen. Denn Alles, was von denselben eingeschlossen wird, tr\u00e4gt den traurigen Stempel der Noth und Armut an sich. Es ist Alles in einem kl\u00e4glichen Zustande, dem Verfalle sehr nahe. An der Westseite lehnt sich das Schulgeb\u00e4ude mit seinen zwei engen Zimmerchen an die Ringmauer. Etwas weiterhin erhebt sich im Nordwesten das Pfarrhaus, dessen \u00e4lteste Bestandtheile allerdings von fester Anlage zeigen und durch einen unterirdischen Gang bis unter die jetzige neue Schule befestigt gewesen sein sollen, aber auch dieses Geb\u00e4ude ist mit einem Schindeldach bedeckt, von dessen Spitze ein messingnes F\u00e4hnlein mit dem s\u00e4chsischen Nationalwappen und der Jahreszahl 1722 traurig herabsieht und ungleiche, kleine Fenster lassen das Tageslicht in die innern R\u00e4ume.<br>An das Pfarrhaus schlo\u00df sich wieder innerhalb der Ringmauer liegend, die Organistenwohnung, dann das Cantorsquartier und schlie\u00dflich im Osten der Kirche die sogenannte &#8220;Thurmport&#8221;. Der vom Pfarrhof \u00fcber die Gasse befindliche Predigerhof lag noch ganz w\u00fcste. Die Schule hatte noch nicht Glasfenster, woraus sich wohl mit Recht schlie\u00dfen l\u00e4\u00dft, da\u00df gleich den beschriebnen auch alle \u00fcbrigen H\u00e4user in der Gemeinde nur Schindel-und Strohd\u00e4cher haben und sich h\u00f6chstens die besten Wirthe einiger Glasfenster erfreuen mochten. Zu den H\u00e4usern pa\u00dften endlich nat\u00fcrlicher Weise auch deren weite, meistentheils w\u00fcst aussehende H\u00f6fe mit ihren geflochtenen Z\u00e4unen, Thoren und Th\u00fcren.<br>Das ist beil\u00e4ufig ein gewi\u00df wahrheitsgetreues Bild von dem Aussehn der Gemeinde und ihrer n\u00e4chsten Umgebung vor der neuen Ansiedlung, ein Bild, welches namentlich jenem bl\u00f6den Unverstande scharf vorzuhalten ist, der noch immer an der irrigen Meinung festh\u00e4lt, das Gl\u00fcck einer Gemeinde beruhe auf der \u00fcberreichen Bodenmenge f\u00fcr deren einzelne Bewohner, und Volks- und Wohlfahrtsmenge stehe daher zu einander in unausbleiblichen Gegensatze. Vorhalten mu\u00df man ihm, wie z. B. eben hier in dem gegenw\u00e4rtig etwa viermal so stark wie damals bev\u00f6lkerten Orte selbst der \u00e4rmste Hausbesitzer schon besser wohnt und im Ganzen auch bequemer und angenehmer lebt, als damals die ersten Wirthe wohnten und lebten. Und zeigen mu\u00df man ihm an solch handgreiflichem Beispiel, da\u00df die Frucht irdischen Wohlstandes nicht aus der bodenreichen Einsamkeit, sondern vielmehr grade aus der die Natur bezwingenden Menge der Menschen hervortreibt, wenn n\u00e4hmlich Flei\u00df, Ordnung und Rechtssinn in der Mitte derselben gepflegt wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Umwandlung des alten in das neue Gro\u00dfpold.<br><br><\/strong>Doch die neue Wandlung der Dinge selber, wie sie uns aus den Rechnungen und sonstigen urkundlichen Nachrichten des verflossnen Jahrhunderts seit der Einwandrung der Transmigranten entgegentritt, soll uns davon \u00fcberzeugen. Einige Zeugnisse der sich regenden Gemeindeth\u00e4tigkeit treten uns zwar schon vor derselben entgegen. Die Kirchweing\u00e4rten, eine Hauptquelle des Kirchenbeutels werden im Jahre 1733 durch 40 Fuhren D\u00fcnger verbessert. Die beiden Hallen der Kirche sammt dem ganzen Chore und der Mittagsseite derselben wurden theils neu gedeckt, theils \u00fcberstiegen und das Thurmdach in denselben Jahre 1740 ausgebessert. Im Jahre 1750 wird die Erbauung eines neuen Altares beschlossen, wozu 81 fl. 36 kr. durch freiwillige Beitr\u00e4ge zusammengebracht, das Uebrige bis zu 170 fl. aus dem Kirchenbeutel genommen wird. Zwei Jahre sp\u00e4ter wird eine neue Scheune auf der Parochie erbaut, deren Kosten sich au\u00dfer der Dorfsarbeit auf 131 fl. 87 kr. belaufen, und schon im folgenden Jahre auch Kirche und Thurm abermals \u00fcberstiegen.<br>Aber mit verdoppelter, neuer Kraft und Wirksamkeit ersteht der sch\u00f6pferische Geist in dem Schoo\u00dfe der durch die Ansiedlung vermehrten Gemeinde. Das im Jahre 1731 mit Schindeln gedeckte Pfarrhaus erh\u00e4lt 1755 einen neuen &#8220;liegenden Dachstuhl und wird mit Schiebziegeln eingedeckt&#8221;. Die davon Erw\u00e4hnung machende Rechnung meldet zugleich nicht nur, da\u00df, sondern auch wie und warum es dazu gekommen war. In Ansehung der vielen Beschwerlichkeiten, welche der opferwillige Pfarrer Johann Bruckner mit den Emigranten gehabt, habe sich der k. k. Emigranten- Commiss\u00e4r Herr von Seeberg veranla\u00dft gefunden, das Geh\u00f6lz sammt Brettern, sowie auch Maurer und Zimmerleute zu dieser Herstellung zu verabfolgen. Der erw\u00e4hnte Umbau war somit ein Verdienst des Pfarrers und eine Frucht der Einwandrung. Durch sie hatte die Gemeinde schon ein ganz ver\u00e4ndertes Aussehn bekommen. An der Nordwestgrenze des Pfarrhauses war die neue Emigrantenschule errichtet worden. An sie schlossen sich die Emigrantenh\u00e4user der Neugasse und hinter dieser war noch eine zweite, die schnurgrade hinlaufende Hintergasse gebaut worden.Die unter der Leitung des erw\u00e4hnten Emigranten-Commiss\u00e4rs gebauten Wohnh\u00e4user wurden alle nach einem Muster aufgef\u00fchrt und zeigen, namentlich in der letztgenannten Gasse bis heutigen Tages die beliebte Bauart. Sie bestehn n\u00e4mlich aus je einem ger\u00e4umigen Zimmer gegen die Gasse mit zwei Fenstern, einem Vorhause als Sommerk\u00fcche und einer r\u00fcckw\u00e4rtigen Kammer, gegenw\u00e4rtig aber ebenfalls in ein Zimmer verwandelt. Dazu zieht an jedem H\u00e4uschen der L\u00e4nge nach ein den Eingang sch\u00fctzender von Holzs\u00e4ulen getragner Gang, aus welchem sp\u00e4ter hin und wieder kleine Zimmerchen gemacht worden sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Pfarrhausbau 1818<br><br><\/strong>Dessenungeachtet lie\u00df Leonhard sich von seinem Vorsatze nicht zur\u00fcckschrecken, sondern brachte auch den Pfarrhausbau bis zum Jahre 1818 zu Stande und so verdanken denn seine Nachfolger seinem mit Edelmuth gepaarten Reichthum die Bequemlichkeit und Freundlichkeit der 12 Fu\u00df hohen mit Klafter gro\u00dfen Fenstern versehenen, sch\u00f6nsten Zimmer, die Gemeinde aber hat in ihm den Mann zu sch\u00e4tzen, der ihr dadurch die Ehre, bez\u00fcglich der Anst\u00e4ndigkeit der Pfarrerswohnung seither unter die Ersten des Capitels zu geh\u00f6ren, erwirkt hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Kirchenbau 1836.<br><br><\/strong>Aber nicht nur der Bau des Pfarrhauses, sondern auch noch Gr\u00f6\u00dferes sollte unter Pfarrer Leonhard am Abende seines Lebens von der eifrigen Gemeinde vollbracht werden. Die neue Eindeckung des Thurmes mit an Draht befestigte Ziegeln im Jahre 1822 und der Umgu\u00df der Mittelglocke im Jahre 1824 sind nur unbedeutende Aufgaben und Zielpunkte des Strebens neben dem noch immer seiner Ausf\u00fchrung harrenden Kirchenbau. Auch dieser sollte nun in dem dritten Jahrzehnt des Jahrhunderts zur Ausf\u00fchrung gelangen. Am 30. August 1836 wurde Leonhard die Leichenrede als erste Rede auf der von ihm gewidmeten Kanzel des neuen Gotteshauses gehalten. Zur Einweihung desselben kam es jedoch erst nach Ausfertigung der ganzen innern Einrichtung am 29.Juni 1838.<br>Pfarrer Johann Georg Buchinger von 1836-1848 und Johann Haas 1848-1860.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Der Schulbau 1853-1859.<br><br><\/strong>Die tiefergreifende, im Ged\u00e4chni\u00df der Gemeinde heute noch fortlebende Weiherrede hat Leonards Nachfolger, der geistvolle Redner Johann Georg Buchinger gehalten, der neben dem neuen Gotteshause auch den geistigen Innerbau der Gemeinde, die Zucht und Ordnung mit seinem m\u00e4chtigen Worte und fester Rectorhand herstellte. Die geistige Saat, die er streute hat gewi\u00df Wurzeln geschlagen f\u00fcr mehrere Jahrzehnte. Darauf konnten daher auch seine Nachfolger um so erfolgreicher fortbaun. Und also geschah es auch wirklich. Als ein unverg\u00e4ngliches Denkmal, als ein un\u00fcbertrefflicher Gemeindeschmuck steht die evangelische Schule da, deren Grundstein von Buchingers Nachfolger Johann Haas am 5.Oktober 1853 gelegt worden ist. Ihre Vollendung und Einweihung erfolgte nach 6 Jahren am 28.September 1859. In demselben Jahre wurde auch die gemauerte, ziegelgedeckte Scheune auf dem Pfarrhofe unter demselben Pfarrer aufgebaut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Jahr-und Wochenmarktprivilegium 1820.<br><br><\/strong>Ueberdies hat Leonhard der ihn kr\u00e4nkenden Gemeinde auch noch dadurch in recht priesterlicher Weise mit Wohlthun vergolten, da\u00df er w\u00e4hrend derselben Zeit seinen Einflu\u00df und manche M\u00fche daran wandte, derselben zu dem ihr im Jahre- 1820 ausgestellten Jahr- und Wochenmarkts- Privilegium zu verhelfen. Als Beweis der Dankbarkeit f\u00fcr seine M\u00fche wurde ihm darauf die freie Ben\u00fctzung des Burgkellers unter dem Bastei- und Vorrathsthurm bewilligt und der erw\u00e4hnte Keller auf Gemeindekosten im Jahre 1820 hergerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hausbuch des Mathias Baldinger 1754.<br><br><\/strong>Andre kamen erst sp\u00e4ter nach. So bezeugt z.B. das mir vorliegende Hausbuch des Mathias Baldinger, nach Vorrausschickung des Versen:<br>&#8220;Ich bin ein armer Exulant<br>Also mu\u00df ich mich schreiben.<br>Man thut mich aus dem Vaterland<br>Um Gottes Wort vertreiben,<br>Da ich wei\u00df wohl Herr Jesu mein<br>Es ist dir auch also gangen.<br>Jetzt will ich dein Nachfolger sein;<br>Mach Herr nach deinem Verlangen!&#8221;<br>&#8220;Im Jahre 1754 am 14. Tag Augusto sein wir nach Millenbach kommen zu einem Durlacher in`s Quartier. Den 23. Tag ist die liebe Mutter gestorben und der liebe Vater ist gestorben den 26.Tag desselben Monats. Da wir mit dem k\u00f6niglichen Profeten David aus dem 47.Psalmen sprechen: &#8220;Denn mein Vater und Mutter verlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf!&#8221;&#8211;Ebenso citirt unser Chronist bei dem im Jahre 1757 notierten Tode der verwandten Katharina K\u00e4sbergerin folgende Zeilen eines Liedes das also lautet:<br>&#8220;Nichts Betr\u00fcbters ist auf Erden,<br>Nichts kann so zu Herzen gehn,<br>Als wenn arme Witwen werden,<br>Wenn verlassen Waisen stehn<br>Ohne Vater, ohne Mutter,<br>Ohne Freund und ohne Gut.<br>Witwen sind verlassne Frauen,<br>Wer thut auf die Waisen schauen!&#8221;<br>Und &#8211;um auch noch eine Probe seiner Belesenheit und seines frommen Herzens hier beizuf\u00fcgen &#8212; stehe schl\u00fc\u00dflich auch der zu seinem Hochzeitstage gemachte und also lautende Auszug aus einem &#8220;gewissen Liede&#8221;:<br>&#8220;Den Ehstand hie auf Erden<br>Man billig ehren soll.<br>All die da eh`lich werden<br>Thun Gott gefallen wohl.<br>Denn uns vermeld`t die Schrift,<br>Da\u00df er ihn hat gestifft<br>Sein `Kirch`und Gemein zu mehren, Die seine Ehre betrifft.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hausbuch des Jakob La\u00dfner 1754.<br><br><\/strong>In Uebereinstimmung mit dem Vorrausgeschickten erz\u00e4hlt auch das Jakob La\u00dfnerische Hausbuch also:<br>&#8220;1754 sein wir aus K\u00e4rnthen nacher Siebenb\u00fcrgen transmigrirt worden und eben das Jahr ist mein Vater in Schellenberg gestorben seines Alters 34 Jahre.&#8221; Seine weitern Vormerkungen &#8220;Im Jahre 1774 habe ich das Haus sub. Nro. 65 gekauft um fl. 200. &#8211;Im Jahre 1783 bin ich als der Erste von den Transmigranten durch den K\u00f6nigsrichter Michael Roth und Stuhlsrichter Georg Klein in die Altschaft eingesetzt, im Jahre 1784 von Georg Roth auf Befehl der Stuhlsofficianten zum Geschwornen berufen und 1785 am 9.Oktober bei dem Herrn Pfarrer Johann Friederici als der Erste von den Deutschen zum Ortsrichter gemacht und endlich am 17.Mai 1787 von Herrn Pfarrer Johann Lang zum Kirchenvater bestellt worden&#8221; bezeugen die vor sich gehende Innerentwicklung und allm\u00e4lige Verschmelzung der neuen Ansiedler mit den fr\u00fchern Eingebornen zu einem K\u00f6rper.<br>Als Wittrungs-Vorfall erw\u00e4hnt dasselbe Hausbuch im Anfang Mai und sp\u00e4ter vom 10.bis13.Mai 1814 einen gro\u00dfen Schneefall doch ohne Frost.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sp\u00e4tere Nachz\u00fcgler 1774 bis 1777.<br><br><\/strong>Noch glaube ich zum Schlu\u00dfe, um die Transmigranten-Angelegenheit vollst\u00e4ndigst zu beleuchten, nicht unerw\u00e4hnt lassen zu d\u00fcrfen ein Schreiben der &#8220;Transmigranten-Commission&#8221; gefertigt durch Georg Ba\u00b4nfy und Johann Edeln von Schatzberg, welches im Jahre 1774 an den Gro\u00dfpolder Pfarrer Johann Andreas Friederici in deutscher Sprache gerichtet ward, und den untr\u00fcglichen Beweis liefert, da\u00df die Nachfolge vereinzelter Nachz\u00fcgler bis zu dieser Zeit noch immer fortdauerte. Die Commission erkl\u00e4rt n\u00e4mlich in ihrem Schreiben, da\u00df Se.Majest\u00e4t die volle Gewissensfreiheit gew\u00e4hrt habe, jedoch verlange,es sollen die F\u00e4lle jedesmal einberichtet werden, wenn Einzelne heimlich herbeik\u00e4men, um sich zur evangelischen Lehre zu bekennen, wie dies ein gewisser Georg Sonnleitner gethan habe,der aus K\u00e4rnthen hieher entwichen sei. In einem andern ebenfalls deutsch verfa\u00dften Schreiben vom Jahre 1777 er\u00f6ffnet die noch immer bestehende Transmigranten-Commission, der die Geburts-und Sterberegister der Ansiedler allj\u00e4hrlich eingeschickt werden mu\u00dften, unter Josef Baron Miske und Johann Martin Roibel an denselben Pfarrer, da\u00df die Steirischen Schuldenreste erst binnen Jahresfrist k\u00f6nnten bezahlt werden, weil man die Schuldner sonst contributionsunf\u00e4hig machen w\u00fcrde, und tr\u00e4gt ihm zugleich auf, diese Er\u00f6ffnung in der Kirche bekannt zu geben<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das gegew\u00e4rtige(1870) Bild der Gemeinde.<br><br><\/strong>So sehn wir nun gegenw\u00e4rtig an der Stelle, wo vor 200 Jahren Noth und Elend, Entv\u00f6lkerung und Ver\u00f6dung ihren H\u00f6hepunkt fast bis zur g\u00e4nzlichen Aufl\u00f6sung des Ortes erreicht hatten wieder eine wohlhabende und reich- bev\u00f6lkerte Gemeinde vor uns, bepflanzt mit stattlichen Wohnh\u00e4usern; feuerfesten Scheunen und gemauerten Thoreinfahrten, geschm\u00fcckt durch ein neues Gemeindehaus, eine neue Schule, neue Kirche und Thurm, versehn mit obstreichen G\u00e4rten, mit einer ringsum flei\u00dfig angebauten Feldmarke ohne w\u00fcste Pl\u00e4tze und m\u00fc\u00dfige Brachfelder, nebst ansehnlichen, neuen Weingarten- Anlagen, eine Gemeinde mit offnem Sinne f\u00fcr Fortschritt und Verbesserung und darum unter den ersten Landgemeinden der Heimath, die sich eines Vorschu\u00df- und Lesevereines erfreuen. Auch ist durch die Erben des Pfarrers Buchinger ein Legat von 100 fl M. zur Unterst\u00fctzung armer Schulkinder, und durch Pfarrer Michael M\u00f6ckel aus einer Sammlung unter den Gemeindegliedern ein Pensionsfond f\u00fcr die Witwen und Waisen der Geistlichen und Schullehrer des Ortes gestiftet worden, dessen Activum sich gegenw\u00e4rtig auf 260 fl.bel\u00e4uft. Weises Walten der F\u00fchrer auf dem segensreichen Boden eintr\u00e4chtigen Gemeinsinnes gepaart mit r\u00fchrigem Flei\u00dfe und p\u00fcnktlicher Ordnung bei gleichzeitiger Bearbeitung der Aecker und G\u00e4rten, sowie auch gegenseitiger Unterst\u00fctzung bei Bauten, Aufrechthaltung frommen Sinnes und reiner Sitte in Bruder-, Schwester- und Nachbarschaften, und endlich r\u00fchmlicher Besuch des Schul- und Gotteshauses haben dazu gewirkt und beigetragen und so werden denn die Weisen der Gemeinde nicht aufh\u00f6ren auf diesem guten Grunde fortzubauen und mit dem vorw\u00e4rts dr\u00e4ngenden Geiste der Zeit auch selber unverdrossen und unerm\u00fcdet vorw\u00e4rts zu schreiten!<br>Aus urkundlichen Quellen verfa\u00dft von David Krasser.Hermannstadt, 1870. Druck von Josef Drotleff.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte des s\u00e4chsischen Dorfes Gro\u00dfpold in Siebenb\u00fcrgen von David Krasser Die Emigranten-Einwanderung 1730&#8211;1770 Wenden wir uns von diesem schwarzen Schattenpunkte nunmehr zu einem hellen, zum hellsten Lichtpunkte des neuerbl\u00fchenden Gemeinde-Lebens. Es ist dies die sogenannte &#8220;Emigranten= Einwanderung&#8221;, die unverkennbare Hauptquelle der neuerwachsenden Kraft und Bl\u00fcte an Zahl und Wohlstand der Bewohner. 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